Die bedürfnisorientierte Erziehung ist mehr als ein bloßer Trend – sie basiert auf fundierten wissenschaftlichen Erkenntnissen über die kindliche Entwicklung. Ziel dieses Ansatzes ist es, Kinder empathisch zu begleiten und ihre individuellen Bedürfnisse in den Mittelpunkt zu stellen. Dabei geht es jedoch nicht nur um die Bedürfnisse der Kinder: Auch die Eltern und andere Familienmitglieder sollten nicht zu kurz kommen. Denn nur eine Balance zwischen den Bedürfnissen aller Beteiligten schafft ein harmonisches Familienleben.
Was bedeutet bedürfnisorientierte Erziehung?
Die Grundlage der bedürfnisorientierten Erziehung liegt in der Bindungstheorie von John Bowlby. Diese Theorie beschreibt, wie sichere Bindungen die emotionale und soziale Entwicklung von Kindern fördern. Nähe, Verlässlichkeit und Verständnis sind essenziell, um Kindern ein Gefühl von Sicherheit und Geborgenheit zu vermitteln. Die Erziehungswissenschaftlerin Eliane Retz erklärt in ihrem Buch Wild Child, dass eine achtsame Begleitung Kinder in ihrer Entwicklung nachhaltig stärkt.
Bedürfnisorientierte Erziehung im Alltag umsetzen
Bedürfnisorientierte Erziehung bedeutet, die Balance im Familienleben zu wahren. Hier ein Überblick, wie Eltern die Bedürfnisse ihrer Kinder und ihre eigenen in Einklang bringen können:
Selbstfürsorge der Eltern
Eltern, die gut für sich selbst sorgen, können die Bedürfnisse ihrer Kinder besser erfüllen. Kleine Pausen, regelmäßige Unterstützung durch den Partner oder Familie und das bewusste Schaffen von Me-Time sind wichtige Bestandteile der Selbstfürsorge.
Bedürfnisse aller Familienmitglieder
Eine Mutter, die stillt, hat andere Anforderungen als ein Vater, der nachts das Baby wickelt. Ein gutes Familienleben basiert darauf, dass jeder gehört wird. Die bedürfnisorientierte Erziehung hilft dabei, ein Gleichgewicht zu finden, das für alle funktioniert.
Altersgerechte Begleitung in der bedürfnisorientierten Erziehung
12-24 Monate: Erste Schritte in die Selbstständigkeit
In dieser Phase entdecken Kinder ihre Umwelt aktiv. Eltern können ihre Kleinen durch einen sicheren Raum unterstützen, in dem sie laufen, sprechen und spielen können. Während Trotzanfälle häufiger vorkommen, hilft es, ruhig zu bleiben und auf Augenhöhe zu kommunizieren.
Beispiel: „Ich sehe, du bist wütend, weil du das Spielzeug nicht bekommst. Es ist okay, wütend zu sein.“
Selbstständigkeit fördern mit Geduld
Kinder in dieser Phase fordern oft ihre Eigenständigkeit ein, z.B. beim Anziehen oder Essen. Auch wenn es länger dauert, sollten Eltern Geduld haben und ihre Kleinen machen lassen. Sie können gleichzeitig Optionen bieten, um zu motivieren: „Möchtest du heute die rote oder die blaue Mütze tragen?“
24-36 Monate: Soziale Interaktionen fördern
Ab zwei Jahren beginnen Kinder, mit anderen zu interagieren. Das Teilen und Einhalten von Regeln fällt ihnen oft schwer. Hier hilft es, einfache Regeln einzuführen und spielerisch zu vermitteln, wie Konflikte gelöst werden können.
(Mehr zum Thema Kleinkindentwicklung findest du hier)
Herausforderungen in der bedürfnisorientierten Erziehung meistern
Nächte ohne Schlaf
Babys brauchen nachts oft Nähe, gerade wenn sie gestillt werden. Eltern können sich die Nächte aufteilen: Während ein Elternteil das Stillen übernimmt, kann der andere beim Wickeln oder Beruhigen unterstützen.
Arbeitsteilung im Haushalt
Haushaltsaufgaben sollten gerecht verteilt werden. Rituale wie eine „Haushalts-Happy-Hour“, bei der alle kurz mit anpacken, können den Alltag erleichtern und die Familie näher zusammenbringen.
Mythen über die bedürfnisorientierte Erziehung
Die bedürfnisorientierte Erziehung schafft eine Grundlage für ein harmonisches Familienleben. Sie ist keine starre Methode, sondern ein flexibles Konzept, das auf die individuellen Bedürfnisse aller eingeht. Indem Eltern auch ihre eigenen Bedürfnisse achten, entsteht eine Atmosphäre, in der sich jedes Familienmitglied wertgeschätzt fühlt.
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Quellenangaben Bedürfnisorientierte Erziehung
Oje, ich wachse!“ von Hetty van de Rijt und Frans Plooij – ein bewährter Ratgeber zu den Sprüngen in der kindlichen Entwicklung und den damit einhergehenden Herausforderungen.
„Wild Child“ von Eliane Retz – eine moderne Perspektive auf bedürfnisorientierte Erziehung, inklusive Tipps zur Selbstfürsorge
.Studie zur kindlichen Sprachentwicklung: Überblick über die Bedeutung der Sprachförderung in den ersten drei Lebensjahren. Verfügbar auf childdevelopment.com
.Empfehlungen der American Academy of Pediatrics (AAP) – Details zu frühkindlicher Entwicklung und Erziehungsstrategien: aap.org.
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